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Maren Lübbke-Tidow

“Ute Mahler, Werner Mahler, Ludwig Schirmer, Ein Dorf”, Buchpräsentation und Gespräch  mit Ute Mahler, Jenny Erpenbeck und Steffen Mau, Akademie der Künste, Berlin, 5.3.2024, 19:00 Uhr

Lighting the Archive, Interview #14: “Ute Mahler und Werner Mahler: Es geht einfach darum, dass es geordnet ist, dass jemand damit etwas anfangen kann, später, wenn wir nicht mehr Auskunft geben können”, Lehnitz 2022 (aktualisiert und veröffentlicht 2024)

“Polyphonie weiblicher Stimmen. Zu Ilit Azoulays Arbeit Queendom. Navigating Future Codes”, in: Eikon – International Magazine for Photography and Media Art (Wien), Nr. 125/2024, (essay, dt/en)

“Hans Hansen. Das Unbekannte – oder das Neueste und das Modernste?”, in: Hans Hansen, analog, Spector Books: Leipzig 2023 (essay, im Erscheinen)

“Özlem Altın, Splitter des Realen, in: Özlem Altın, Katalog der Berlinischen Galerie, DISTANZ: Berlin 2024  (essay, dt./en., im Erscheinen)

Vorlesungsreihe 2023/24, “Kuratorische Praxis” (Arbeitstitel), Schule Friedl Kubelka für Künstlerische Photographie, Wien (teaching)

Mentoring im Rahmen des Mentoring-Programms 2023/24 der Universität für Angewandte Kunst,Wien

Buchpräsentation und Gespräch
Maren Lübbke-Tidow im Gespräch mit Ute Mahler, Jenny Erpenbeck und Steffen Mau 
anlässlich des Erscheinens von Ute Mahler, Werner Mahler und Ludwig Schirmer, Ein Dorf, 1950 – 2022
Hartmann Books: Stuttgart 2024
Akademie der Künste / Pariser Platz, Berlin, 5.3.2024, 19:00 Uhr

 

 

 

Das Buch- und Ausstellungsprojekt Ein Dorf veranschaulicht Aspekte von Zeit und Wandel. Im Mittelpunkt steht das Dorf Berka in Thüringen, das über 70 Jahre hinweg von drei Generationen einer Familie fotografiert wurde: Ludwig Schirmer (1950–1960), Werner Mahler (1977/78, 1998) und Ute Mahler (2021–2022). Die Buchpräsentation gewährt auch einen Ausblick auf die für 2025 geplante Ausstellung in der Akademie der Künste.

 

Lighting the Archive
Interview #14
Ute Mahler und Werner Mahler
Es geht einfach darum, dass es geordnet ist, dass jemand damit etwas anfangen kann, später, wenn wir nicht mehr Auskunft geben können

 

Foto: Rebecca Wilton.

 

Das analoge/digitale Bild ist in eigener Un/Ordnung. Es gibt nicht die eine Fotografie – kann es für sie dann das eine Institut oder Archiv geben, eines, das die unterschiedlichen technischen, aber auch sozialen Gebrauchsweisen des Mediums und seine diversen Erscheinungsweisen zusammenführt? Unter lightingthearchive.org werden seit Sommer 2020 diejenigen befragt, die den Apparat in der Hand halten und zwischen ihren Bildern stehen. Mit jedem Gespräch bilden sich eine Haltung, eine Persönlichkeit, Interessen und Herangehensweisen ab.

 

Ute Mahler und Werner Mahler (geb. 1949 in Berka bei Sondershausen in Thüringen und 1950 in Boßdorf in Sachsen-Anhalt, leben in Lehnitz bei Oranienburg) haben beide ein je umfangreiches eigenes fotografisches Œuvre geschaffen, das sowohl Auftragsarbeiten wie auch freie Projekte umfasst. Darüber hinaus widmen sie sich seit 2009 gemeinsamen Projekten, die sie mit der Großbildkamera aufnehmen. Sie sind nicht nur Gründer der Agentur Ostkreuz, sondern auch der Ostkreuzschule, deren Leitung sie bis 2023 innehatten. Nach dem Tod ihres Vaters, dem Fotografen Ludwig Schirmer, kam Ute Mahler 2001 in die Situation, einen fotografischen Nachlass aufzubereiten. Sie hat das Material nicht nur in eine Ordnung gebracht, sondern aus ihm auch einen Schatz gehoben. Aus dieser Erfahrung schöpft sie in der Aufbereitung des eigenen Archivs sowie des Archivs ihres Mannes Werner Mahler. Auch wenn er es – anders als seine Frau Ute – nicht so sehr liebt, ein Archiv in eine Form zu bringen, hat Werner Mahler die Organisation und Ordnung der gemeinsamen Projekte übernommen. Unterstützung erfahren die beiden durch die Kunsthistorikerin Marit Lena Herrmann, die als Projektmanagerin mit den Archiven von Ute Mahler, Werner Mahler und Ludwig Schirmer arbeitet.
Zum Interview mit Ute Mahler und Werner Mahler click here

 

 

Maren Lübbke-Tidow
Polyphonie weiblicher Stimmen.
Zu Ilit Azoulays Arbeit Queendom. Navigating Future Codes
EIKON. International Magazine for Photography and Media Art (Wien), Nr. 125/2024 
Archiv Queendom im Studio von Ilit Azoulay, Berlin 2022. Foto: Ilit Azoulay.

 

Die Arbeit Queendom ist nicht nur als politisches Statement einer feministischen Künstlerin zu verstehen, die die Mythen der Männlichkeit durchbricht, sondern auch als konkreter Aktionsraum Azoulays, mit dem sie sich angesichts eines albtraumhaften kriegerischen Konflikts mit unzähligen unschuldigen Opfern mit ihren Mitteln der Verständigung aktiv positioniert. Gerade weil weite Teile des zeitgenössischen Kunstbetriebs aktuell verstummen bzw. sich der gespaltene Betrieb in Polarisierungen jeweils zu übertönen versucht, ist der Mut dieser Künstlerin und die Bedeutung der politischen Stellungnahme in Form einer Polyphonie von weiblichen Stimmen kaum zu übertreffen. (…)

 

 

 

Maren Lübbke-Tidow
Hans Hansen. Das Unbekannte – oder das Neueste und das Modernste?
Hans Hansen, analog, Spector Books: Leipzig 2023 (im Erscheinen)

 

Hans Hansen, o.T. (Kodakschachtel), 2015.

 

(…) Ist „analog“ von Hans Hansen ein Projekt, mit dem der Fotograf einfach alle die Dinge vor sich und den Augen seiner Betrachter*innen ausgebreitet hat, mit denen er nun schon seit so vielen Jahren und Jahrzehnten umgeht und die für das Entstehen seiner Bilder jenseits seiner eigenen Ideen und Augen die entscheidenden technischen Hilfsmittel waren und sind? Dann wäre „analog“ gewissermaßen eine Liebeserklärung an sein Medium – und allemal dann, wenn wir die wenn auch nur verhaltenen physischen Spuren des Fotografien und damit seine physische Präsenz in den Dingen mitbedenken. Oder bietet uns Hans Hansen mit „analog“ mit nüchtern-sachlicher Geste eine Art Katalog an, mit dem zur Hand wir das Material der Fotografie (noch) jederzeit zusammensuchen und uns aneignen könnten? Schließlich droht es zu verschwinden und wer möchte schon als Analphabet der Zukunft dazustehen als den Laszlo Moholy-Nagy den Fotografie-Unkundigen beschrieb? Wie auch immer die Beantwortung dieser Frage für den einen oder anderen an dieser Stelle aussehen mag, eines wird mit „analog“ in jedem Falle klar: Nicht mehr die Wertigkeit der abgebildeten Dinge steht in diesem fotografischen Projekt im Vordergrund, sondern es die Wertigkeit der analogen Fotografie selbst. Schließlich war sie einmal (…) das Neueste und Modernste, was es gab. Dieses Neueste und Modernste war kein Schnickschnack, sondern fußte auf technische Neuerungen, mit denen wir uns wie mit keinem anderenMedium zuvor die Welt angeeignet haben. Und so lohnt es sich gerade heute, sie abzubilden, meint man Hans Hansen dazu sagen hören. Mit der Katalogisierung der Dingen des analogen fotografischen Materials jedenfalls fordert er dazu auf, seine Bestandteile genau zu betrachten, seinen Gebrauch und Nutzen zu entschlüsseln, mit ihm ein Wissen aus der Vergangenheit in die Gegenwart zu retten und es für die Zukunft zu sichern – bevor die Zeugnisse und damit auch das Wissen über dieses flüchtig-vergängliche Medium nur allzu schnell unwiederbringlich verloren gehen. Hans Hansen bietet uns dazu seine neuesten und modernsten Bilder an, die wie (fast) alle seine Bilder immer auch zeitlose Bilder sind. (…)

 

 

Maren Lübbke-Tidow
Özlem Altın, Splitter des Realen
Özlem Altın
Katalog der Berlinischen Galerie, DISTANZ Verlag: Berlin 2024 (im Erscheinen)

 

Özlem Altın, your own blindness (Biene), 2017.

 

(…) Die Vorstellung des Sehens als ein stabiler und zuverlässiger Mechanismus wird hier befragt und stattdessen das Prozessuale aktiviert. Diese Strategie bedeutet eine Verabschiedung von einer bildimmanenten Kohärenz oder auch eines privilegierten Standpunktes, mit denen eine Szene vollkommen beherrschbar wäre – und damit ein Auflösen des hierarchischen Sehens. Im Gegenteil: Die Augen müssen sich als Organ der Sinne, weit aufgerissen wie die „Naked Eyes“, wie in einem Rehearsal immer wieder neu justieren und nach der Einheit des Seins im bildlichen Gegenüber suchen – ähnlich und doch different. Das Bild wird immer wieder neu aufgeführt. Es performt. Es erzeugt Resonanz. Immer wieder neu – und doch anders. Es ist eine Geste in einer Reihe von Gesten. (…)

 

Vorlesungsreihe 2023/24

Kuratorische Praxis (Arbeitstitel)

Schule Friedl Kubelka für Künstlerische Photographie, Wien

 

Installationsansicht Touch. Politiken der Berührung, 2023. Jubiläumsausstellung zum 10. EMOP Berlin im Amtsalon. Luise Marchand, COPE VI, aus der Serie: Die Zeichen stehen gut, 2017, 2020. Copyright: Kulturprojekte Berlin, Foto: Nick Ash

 

Mentoring
Mentoring-Programm 2023/24
Elodie Gretchen – Maren Lübbke-Tidow
Universität für Angewandte Kunst, Wien

 

Elodie Gretchen, from the series: Oh my darling, 2023.

 

Ich freue mich, 2023/24 Elodie Gretchen im Rahmen des Mentoring-Programms der Universität für Angewandte Kunst, Wien, als Mentorin zu begleiten. Das Angewandte Mentoring-Programm stellt eine Förderung im Sinne der universitären Gleichstellung dar. Ziel ist es, der Verringerung des Frauenanteiles entlang der Karriereleiter mit zunehmender Qualifikation (Studium bis hin zur Professur) entgegenzuwirken und motivierte Nachwuchskünstlerinnen und –wissenschaftlerinnen durch einen Austausch mit erfahrenen internationalen Künstler*innen und Wissenschaftler*innen in der strategischen Planung ihrer Laufbahn und bei der Entwicklung ihrer beruflichen Karriere zu unterstützen.